Der Salat von Oberst Cray

The Salad of Colonel Cray

Seit Oberst Cray im Heiligtum des indischen Affengottes verflucht wurde, verhält er sich seltsam. Unheimliche Dinge passieren und jemand versucht, ihn zu vergiften. Wer oder was verbirgt sich hinter dem geisterhaften Affenwesen, das ihn verfolgt und in den Wahnsinn treiben will?

Father Brown bestand aus zwei Männern. Der eine war ein Mann der Tat, so bescheiden wie eine Primel und so pünktlich wie ein Uhrwerk; der seinen kleinen Kreis an Pflichten erfüllte und niemals daran dachte, sie zu ändern. Und dann war da der Mann des Nachdenkens, der sehr viel einfacher aber auch sehr viel stärker war und der nicht leicht aufgehalten werden konnte; dessen Denken stets (im einzig intelligenten Sinn des Wortes) freies Denken war. Er konnte nicht anders, als sich, selbst unbewußt, all die Fragen zu stellen, die zu stellen waren, und so viele wie ihm nur immer möglich zu beantworten; und alles das geschah wie das Atmen oder der Blutkreislauf. Bewußt aber ließ er seine Handlungen ihn niemals über den Rahmen seiner Pflichten hinaus tragen; und in diesem Fall wurden beide Haltungen gehörig auf die Probe gestellt. Er wollte gerade seinen Marsch durch das morgendliche Dämmerlicht wieder aufnehmen, während er sich einerseits zuredete, daß ihn das alles nichts angehe, gleichzeitig aber zwanzig Theorien im Kopfe hin und her wendete, was die sonderbaren Geräusche wohl bedeuteten.

Hörprobe (6:14)
"Der Salat von Oberst Cray"
aus der Reihe "Father Brown - Das Original"
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Anmerkungen des Übersetzers Hanswilhelm Haefs

 

"angloindischer Major"

Admiral Oscar Stanley Dawson

Im Original "Anglo-Indian"; bezeichnet im deutschen Sprachgebrauch einen Mischling aus englischen und indischen Eltern, während hier ein Engländer gemeint ist, der im Dienste des angloindischen Imperiums in Indien gedient hat.

Wikipedia-Artikel: Anglo-Indian

 

"Paradoxon"

Penrose-Dreieck (Tribar) und die Teufelskralle oder Teufelsgabel (Blivet)

Üblicherweise als "Widerspruch in sich" verstanden, in Wirklichkeit einen Schein-Widerspruch meinend, also einen, der durchaus auflösbar ist.

Wikipedia-Artikel: Paradoxon

 

"Dickens"

Charles Dickens (daguerreotype)

Charles Dickens (1812-1870), englischer Erzähler, der als erster eine neue Welt literarisch erschloss: die der kleinen Leute, der von der Gesellschaft stiefmütterlich Behandelten, die er liebevoll und mit groteskem Humor vorstellte, wobei er zugleich scharfe Kritik an den gesellschaftlichen Gegebenheiten übte; der Begründer des Sozialromans.

Wikipedia-Artikel: Charles Dickens

 

"Kummerbund"

Mann mit gemustertem Kummerbund

Aus dem Urdu "kamar-band" = Band um die Nieren: schärpenähnlich um die Hüften gelegtes Seidentuch; dient heute als Bezeichnung für ähnliches, das zum Smoking oder dgl. anstelle einer Weste getragen wird.

Wikipedia-Artikel: Kummerbund

 

"Euphemismus"

Beschönigende Umschreibung für einen sehr viel hässlicheren Tatbestand.

 

"von tizianischer Fülle"

Tiziano Vecellio, Selbstbildnis

Tiziano Vecellio (ca. 1476-1576), italienischer Maler, der in seiner monumentalen Mittelphase lebensvolle pralle Menschendarstellung und Farbenpracht mit stark bewegter Komposition verband, ehe er in seiner Altersphase ab 1550 aus tief durchgeistigter Gelöstheit bei ungeminderter Kraft zu geheimnisvoll aus dem Dunkel aufleuchtenden Farben fand.

Wikipedia-Artikel: Tizian

 

"Gourmet"

Single Malt Whiskys

französisch = Feinschmecker; oft wird der Gourmand fälschlich als "Vielfraß " und maßloses Gegenstück zum maßvollen Gourmet dargestellt, obwohl Gourmand viel eher das Leckermäulchen ist; man könnte den Gourmet richtiger als den asketischen, den Gourmand als den wollüstigen Feinschmecker definieren (Anhänger der inzwischen wieder veralteten Nouvelle Cuisine wäre auch ein Gourmet nur bedingt und unter großen Vorbehalten gewesen).

Wikipedia-Artikel: Gourmet

 

"Trichinopoly (Tiruchirappalli)"

Trichinopoly

Name einer Stadt und eines Distriktes im damaligen Regierungsbezirk Madras (südöstlicher Dekkan in Indien und Hauptstadt des gleichnamigen Gebietes), durch bei Kolonialbeamten und -offizieren besonders beliebte Zigarren feinster Qualität berühmt. Heutiger Name: Tiruchirappalli

Wikipedia-Artikel: Tiruchirappalli

 

"zusätzliches Glied"

Heute übliche Assoziationen sind im chestertonschen Kontext absolut abwegig, wie abwegig auch immer das heute erscheinen mag.

 

"Kannibalen-Inseln"

Die Karibischen Inseln
Zeichnung mit Darstellung von Kannibalismus in Brasilien in Hans Stades Buch 'Warhaftige beschreybung eyner Landschafft der wilden nacketen grimmigen menschenfresser in der newen Welt America'. Veröffentlicht in Marburg von Andres Colb 1557

Das englische "Cannibal Islands" ist so wörtlich übersetzt; gemeint sind die Karibischen Inseln auch Westindische Inseln genannt. Das Wort "Kannibale/Cannibals" o. ä. ist vom spanischen "cannibales" abgeleitet, das wiederum aus "caribales" entstand und ursprünglich die Kariben bezeichnete, die von Spanien ausgemordeten Ureinwohner der Karibischen Inseln; die Selbstbezeichnung "caribe" bedeutete "die Tapferen, die Mutigen" und bezog sich ursprünglich nur auf die Kriegerkaste. Da die Kariben rituellen Verzehr von Menschenfleisch kannten und betrieben, wurde ihr Name zum Synonym für Menschenfresser. Hier musste die Bezeichnung Kannibalen-Inseln statt der richtigeren Karibischen Inseln beibehalten werden, da sonst das Wortspiel Father Browns im nächsten Satz unverständlich bliebe.

Wikipedia-Artikel: Westindische Inseln

Wikipedia-Artikel: Kannibalismus

 

"Curry-Reisspeisen"

(im Original "kedgerees of curries")

Kedgeree

Gerichte dieser Art haben nichts mit der sogenannten Reistafel Indonesiens zu tun. "Kedgeree" ist die Verenglischung des Hindi-Wortes "khichri" aus dem Sanskrit "krsara" = Speise aus Reis und Sesam; in angloindischen Zeiten ein indisches Gericht aus gekochtem Reis mit geschälten Hülsenfrüchten (Erbsen, Bohnen, Linsen o. ä.), Zwiebeln, Eiern, Butter und Gewürzen (vereuropäisiert auch aus kaltem Fisch, gekochtem Reis, Eiern und Gewürzen angerichtet und ebenfalls heiß serviert); "curry" ist eine scharfe Mischung aus Gewürzpflanzen. Da beide Herren "Angloinder" sind, darf man wohl annehmen, dass sie die indische Speise genossen, wobei die unterschiedlichen Gänge vor allem durch unterschiedliche Gewürzmischungen auf Curry-Basis entstanden, zu denen dann die entsprechenden Weine auszuwählen bzw. zu servieren waren.

Wikipedia-Artikel: Kedgeree

 

"Senfpflaster"

Senfpflaster

Aus Senfmehl angerichtetes Hausmittel mit hautreizendem Effekt zur Verbesserung der Durchblutung.

Wikipedia-Artikel: Senfpflaster

 

"Essig und braunes Papier"

Braunes Papier war ein mit Teerextrakten durchtränktes Packpapier; zusammen mit Essig ergab es ein weiteres Hausmittel gegen Quetschungen.

 

"Ein Gewürzständer enthält auch Predigten"

weiße Senfkörner

Da nach den zahlreichen erfolgreichen Schul- und Bildungsreformen nicht mehr vorausgesetzt werden kann, dass dem Leser die Grundbestandteile abendländischer Bildung ebenso geläufig sind, wie Chesterton das für seine Leser als selbstverständlich voraussetzen konnte, seien die folgenden Beispiele kurz erläutert: Senfkorn - im Neuen Testament ist bei Markus IV, 31 nachzulesen, dass das Senfkorn unter allen Samenkörnern das kleinste ist, aber (wie der Glaube) auf gutem Boden zu zweigreicher Größe heranwächst; Öl - im NT ist bei Lukas X, 30-34 nachzulesen, dass ein Mann aus Samaria einen aus Jerusalem am Wegesrand fand, den die Räuber übel zugerichtet hatten, und er pflegte ihn (obwohl zwischen beiden Religionsfeindschaft bestand) und goss ihm schmerzlindernd Öl (teuer und kostbar) in seine Wunden; Essig - im NT ist bei Markus V, 34-36 nachzulesen, dass als Jesus am Kreuze hing und der Himmel sich verfinsterte, ein Soldat einen Essigschwamm an seine Lanze tat und Jesu an den Mund führte (um ihm Erleichterung zu verschaffen).

Wikipedia-Artikel: Senfkorn

 

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